Shortlisted für den Lush Prize 2024

Neuromuskulärer Chip soll Tierversuche für Botox ersetzen 

Aufgrund der Art der Herstellung muss jede Charge Botox separat getestet werden, bevor sie verkauft wird. Das bedeutet, dass Botox-Tests für einen hohen Anteil aller Tierversuche verantwortlich sind. Allein in Europa sterben jedes Jahr schätzungsweise 400.000 Mäuse bei Botox-Tests. [1]   

Offizielle Zahlen besagen, dass mehr als 40 % der Botox-Produktion für kosmetische Zwecke verwendet wird. [2] Angesichts der Kritik an der weit verbreiteten “Off-Label”-Verwendung [3]und der nicht genehmigten kosmetischen Anwendung wird die tatsächliche Zahl jedoch als wesentlich höher eingeschätzt. [1] Botox ist das beliebteste nicht-chirurgische kosmetische Verfahren: Allein im Jahr 2021 wurden weltweit über 7,3 Millionen Injektionen vorgenommen. [4]

Der Tierversuch, der für jede Charge verwendet wird und als LD50 bekannt ist, wird seit 1927 angewandt und ist weithin als grausam, unzuverlässig und ohne Relevanz für den Menschen kritisiert worden. Obwohl es bereits Alternativen gibt, werden sie häufig nicht genutzt. Das bedeutet, dass alle neuen Innovationen, die moderne wissenschaftliche Ansätze für Botox-Tests nutzen, extrem wichtig sind.

Byunggik Kim von der Johns Hopkins University entwickelt ein “neuromuskuläres Chip”-Modell, von dem er sich einen “bahnbrechenden Wandel bei [Botox-]Wirksamkeitstests” erhofft.   Kim ist einer von 15 jungen Forscher*innen aus der ganzen Welt, die in die engere Auswahl für den Lush Prize 2024 gekommen sind. Das Projekt von Byunggik Kim stellt einen bahnbrechenden Wandel bei der Untersuchung der Wirksamkeit von Botulinum-Neurotoxin (BoNT) dar, indem es ein völlig tierfreies mikrophysiologisches System auf Basis menschlicher Zellen entwickelt. Diese innovative Strategie umfasst eine kompartimentierte Hochdurchsatz-Plattform mit aus menschlichen induzierten pluripotenten Stammzellen (hiPSC) gewonnenen Motoneuronen und Muskelfasern, wodurch Tierversuche und tierische Produkte überflüssig werden.

Der Lush Prize ist der größte Preisfonds im Bereich der tierversuchsfreien Forschung. Er wurde 2012 im Vereinigten Königreich mit dem Ziel gegründet, die Forschung voranzutreiben, damit keine weiteren Tests an Tieren zur Produktsicherheit erforderlich sind. In den letzten zehn Jahren hat der Lush Prize über 3 Millionen Euro in 35 Ländern an 126 Projekte vergeben.   

In diesem Jahr wurden insgesamt 55 Projekte in die Shortlist aufgenommen, von einem schlagenden Herzen-on-a-Chip aus Japan bis hin zu einer erfolgreichen Kampagne zur Änderung des Gesetzes für Kosmetiktests in Kanada.

Rebecca Ram, wissenschaftliche Beraterin des Lush Prize, sagte:In diesem Jahr wurden die wissenschaftlichen Bewerbungen von Organ-on-Chip-Projekten dominiert, denn diese neue Technologie beginnt sich wirklich durchzusetzen. Wir freuen uns nicht nur über die neuen Chip-Technologien, sondern auch über die vielen neuen Projekte, in denen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in deren Anwendung geschult werden.”

Über den Lush Prize:

Der Lush Prize ist eine Zusammenarbeit zwischen dem Kosmetikunternehmen Lush und der Forschungsgruppe Ethical Consumer.

Der mit 250.000 £ dotierte Preis ist der größte Preis im Bereich der tierversuchsfreien Forschung und die einzige Auszeichnung, die sich ausschließlich auf den vollständigen Ersatz von Tierversuchen konzentriert.

Weitere Informationen über den diesjährigen Preis findest du auf der Website https://lushprize.org.  Die Preisverleihung findet im Mai 2024 statt. 

Die Preiskategorien sind (http://www.lushprize.org/awards/):

  • Public Awareness: Sensibilisierung der Öffentlichkeit zum Thema Tierversuche
  • Science: für die Entwicklung von alternativen Tests ohne Tierversuche
  • Training: Ausbildung von Forscher*innen in tierversuchsfreien Tests
  • Lobbying: politische Maßnahmen zur Förderung des Einsatzes von alternativen Tests
  • Young Researcher: für Personen unter 35 Jahren, die sich auf die Forschung, die ohne Tests an Tieren auskommt, spezialisiert haben

Über Lush:

Lush erfindet, produziert und vertreibt frische, handgemachte Kosmetik. Als Kosmetikunternehmen mit einem Herz für Aktivismus setzt sich Lush leidenschaftlich für Direct Campaigning ein und nutzt seine Shops auf der ganzen Welt als Plattform, um unterrepräsentierte, soziale und ökologische Missstände zu thematisieren. Der Lush Prize  ist ein Beitrag zu einer breit gefächerten Kampagne im Kampf gegen Tierversuche. Neben dem Lush Prize vergibt Lush auch den Lush Spring Prize zur Entwicklung regenerativer Projekte und fördert ebenso lokale Projekte durch den gemeinnützigen Charity Pot.

Über Ethical Consumer:

Die Ethical Consumer Research Association ist eine gemeinnützige Forschungskooperative, die sich auf unabhängige Forschung in den Bereichen Soziales, Tierschutz und Umwelt spezialisiert hat.  www.ethicalconsumer.org 

Schätzungen zufolge werden jedes Jahr weltweit mehr als 200 Millionen Tiere in Versuchslaboren eingesetzt. [5]

Presseanfragen:

Media Relations: [email protected]

Influencer*innen Relations: [email protected]

[1] Katy Taylor, Corina Gericke, Laura Rego Alvarez: Botulinum toxin testing on animals is still a Europe-wide issue. ALTEX 2019; 36(1): 81-90

[2] https://www.aerzte-gegen-tierversuche.de/en/basic-infos/other-topics/botox

[3] Government to crack down on unregulated cosmetic procedures – GOV.UK (www.gov.uk)

[4] https://www.statista.com/statistics/293449/leading-nonsurgical-cosmetic-procedures/

[5] https://perspectivesblog.sagepub.com/blog/guest/nearly-200-million-animals-used-in-medical-research-worldwide

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